Möglicherweise kann man auch einen Menschen doch nicht so schnell ändern wie eine Unternehmensstruktur

Erste Geschichte

 

Sitzend, Rauch steigt von seiner Zigarette und vermischt sich mit der staubigen Luft, sein Husten geht in Hupen und Motorenknattern unter. Der Hochgeschwindigkeits-kapitalismus fegt unaufhaltsam über dieses Land, diese Stadt, diese Straße. Ja genau von der Mauer auf der er gerade sitzt kann man ihm beim Wuchern zusehen. Ein Rennen, in dem es gilt 60 Jahre innerhalb von 6 aufzuholen. Der Startschuss ist schon lange gefallen, jetzt heißt es: ja nicht hinfallen! Sonst wird man von den nachdrängenden Massen einfach platt getreten. Überall sieht man die zusammengebrochenen Läufer, die Erschöpften am Rand der Straße, vor ihren Hütten, sitzend und resignierend. Der ultimative Kollateralschaden. Andere winken mit ihren Trophäen vom Balkon ihrer großzügigen Villa. Man kann nur hoffen, dass im Golfclub noch ein Platz frei ist. Viele munkeln es wäre ein Frühstart gewesen. Doping ist sicherlich im Spiel. Aber man bleibt freundlich, Ganesh wird’s schon richten und wenn nicht, vielleicht im nächsten Leben. Er platziert die Zigarette sorgsam auf dem Müllhaufen zu seiner Rechten. Ein schwer atmender zerzauster Hund trottet an ihm vorbei und bewegt sich zitternd auf den Müllberg zu. Die Kuh die schon eine Weile damit beschäftigt ist jenen Haufen nach essbarem zu durchsuchen, scheint nicht beeindruckt von dem neuen Zugang. Brothers in arms. Der Mensch – die Kuh – der Hund… In dieser Reihenfolge. Seine LaCoste Sneakers wirbeln etwas Staub auf als er von dem Mäuerchen hüpft. Ein kurzer Blick und ein freundliches Nicken eines Mannes, der gebrauchten Pappkartons verkauft. Es wird dunkel - in Berlin Neuköln wäre es jetzt Zeit nach Hause zu gehen. Hier fühlt er sich sicher. Was auch immer diesen Menschen aus den USA zu geschwemmt wird - die Gewalt, der Egoismus, hat sie noch nicht erreicht. Möglicherweise kann man auch einen Menschen doch nicht so schnell ändern wie eine Unternehmensstruktur. Aber wer weiß schon wie lange sie noch standhalten. Er trottet in einen kleinen Eckladen und kauft eine Banane für umgerechnet 3ct. In der Zeitung, die auf der Theke als Tischtuch ausgebreitet ist glänzt ein Bild eines Laptops und daneben in riesigen Ziffern eine Zahl. Möglicherweise das Jahreseinkommen dieses Verkäufers oder das Vielfache jenes des Altpappehändlers. Das Licht geht aus… Stromausfall. Grummeln, dann ohrenbetäubender Lärm von den Büros und besseren Gebäuden. Die Luft wird schwarz. In diesem Moment erwachen hunderte Dieselgeneratoren zum Leben. Damit Alltag und Geschäft durch die täglichen Stromausfälle nicht eingeschränkt wird, für die die sich’s leisten - können. Er verlässt den Laden, stoppt ein motorisiertes Dreirad und lässt sich in nach Haus bringen. In 30 Minuten, für 80ct. Man begrüßt Ihn, freundlich, es gibt Fladen, Reis und vegetarisches Curry zu abend, wie immer. 

Erste Geschichte

 

Sitzend, Rauch steigt von seiner Zigarette und vermischt sich mit der staubigen Luft, sein Husten geht in Hupen und Motorenknattern unter. Der Hochgeschwindigkeits-kapitalismus fegt unaufhaltsam über dieses Land, diese Stadt, diese Straße. Ja genau von der Mauer auf der er gerade sitzt kann man ihm beim Wuchern zusehen. Ein Rennen, in dem es gilt 60 Jahre innerhalb von 6 aufzuholen. Der Startschuss ist schon lange gefallen, jetzt heißt es: ja nicht hinfallen! Sonst wird man von den nachdrängenden Massen einfach platt getreten. Überall sieht man die zusammengebrochenen Läufer, die Erschöpften am Rand der Straße, vor ihren Hütten, sitzend und resignierend. Der ultimative Kollateralschaden. Andere winken mit ihren Trophäen vom Balkon ihrer großzügigen Villa. Man kann nur hoffen, dass im Golfclub noch ein Platz frei ist. Viele munkeln es wäre ein Frühstart gewesen. Doping ist sicherlich im Spiel. Aber man bleibt freundlich, Ganesh wird’s schon richten und wenn nicht, vielleicht im nächsten Leben. Er platziert die Zigarette sorgsam auf dem Müllhaufen zu seiner Rechten. Ein schwer atmender zerzauster Hund trottet an ihm vorbei und bewegt sich zitternd auf den Müllberg zu. Die Kuh die schon eine Weile damit beschäftigt ist jenen Haufen nach essbarem zu durchsuchen, scheint nicht beeindruckt von dem neuen Zugang. Brothers in arms. Der Mensch – die Kuh – der Hund… In dieser Reihenfolge. Seine LaCoste Sneakers wirbeln etwas Staub auf als er von dem Mäuerchen hüpft. Ein kurzer Blick und ein freundliches Nicken eines Mannes, der gebrauchten Pappkartons verkauft. Es wird dunkel - in Berlin Neuköln wäre es jetzt Zeit nach Hause zu gehen. Hier fühlt er sich sicher. Was auch immer diesen Menschen aus den USA zu geschwemmt wird - die Gewalt, der Egoismus, hat sie noch nicht erreicht. Möglicherweise kann man auch einen Menschen doch nicht so schnell ändern wie eine Unternehmensstruktur. Aber wer weiß schon wie lange sie noch standhalten. Er trottet in einen kleinen Eckladen und kauft eine Banane für umgerechnet 3ct. In der Zeitung, die auf der Theke als Tischtuch ausgebreitet ist glänzt ein Bild eines Laptops und daneben in riesigen Ziffern eine Zahl. Möglicherweise das Jahreseinkommen dieses Verkäufers oder das Vielfache jenes des Altpappehändlers. Das Licht geht aus… Stromausfall. Grummeln, dann ohrenbetäubender Lärm von den Büros und besseren Gebäuden. Die Luft wird schwarz. In diesem Moment erwachen hunderte Dieselgeneratoren zum Leben. Damit Alltag und Geschäft durch die täglichen Stromausfälle nicht eingeschränkt wird, für die die sich’s leisten - können. Er verlässt den Laden, stoppt ein motorisiertes Dreirad und lässt sich in nach Haus bringen. In 30 Minuten, für 80ct. Man begrüßt Ihn, freundlich, es gibt Fladen, Reis und vegetarisches Curry zu abend, wie immer. 

Das viel zu kurze Leben von David Dell

Erinnerungen
Davids Lebensweg