Die Ungerechtigkeit zwischen seinem „Reichtum“ und der Armut die er in diesem Land sah hat fortan Davids denken geprägt

Zweite Geschichte

 

Einhundertachzig mal am Tag, mindestens. Mit nackten Füßen schreiten wir in einer Schlange von einer Marmorplatte zur nächsten. Auf jeder Platte wird das Mantra wiederholt, Schilder fordern dazu auf, in hörbarer Lautstärke einzustimmen. Jeder der nach der letzten Platte den Tempel erreicht, läutet eine Glocke über dem Eingang. Was für ein hypnotisierendes Schauspiel. Am Eingang werden gezuckerte Butterwürfel ausgeteilt. Diesen Genuss überlasse ich an meinen Magen denkend jedoch lieber Sanjay, meinem Mitbewohner, der mich heute begleitet. Er selbst ist Christ, meine anderen fünf Mitbewohner Hindus. Einer von ihnen zelebriert seinen Glauben auch regelmäßig morgens in der kleinen Gebetsnische in unserem Haus. Wir gehen weiter, durch zwei kleine Gebäude auf dem Vorplatz in denen sich goldene Statuen Krishnas befinden um von der vorbeipilgernden Menge gegrüßt zu werden. Dann ein Stand an dem man noch schnell ein paar Blumen und eine Kokosnuss zur späteren Opfergabe erwerben kann. Eintritt in die Gebetshalle. Ein Goldener Schrein wird von einem Mönch gereinigt und ein weiterer zelebriert ein Gebet indem er Räucherstäbchen vor einer üppig mit Blumen geschmückten Figur bewegt. Wir gehen vor dem Schrein entlang. Hinter uns ertönen ein Harmonium und eine Veena. Eine Frau beginnt ein Mantra zu singen. Unglaublich beruhigend. Als wir die Halle verlassen versuchen uns einige Mönche religiöse Bücher anzudrehen. "Everything is business today." sagt Sanjay. Und kein schlechtes Geschäft ohne Frage, betrachtet man die zahlreichen, zum Bersten gefüllten Spendenboxen. Am Ausgang wird ein Reisbrei in gefalteten Blättern verteilt, auch hier halte ich mich lieber zurück. Schilder weisen auf ein Restaurant, noch zu früh. Nächste Station: Mahatma Gandhi Road. Die Haupt-Einkaufsstraße von Bangalore. Levis, Adidas und Co. laden zum westlichen Kaffeetreff in einer der "Cafe Coffee Day" Filialen. Und dann kommt die Blasphemie. Morgens noch im Tempel, sitzen wir gegen 3 Uhr in "the only place" und auf dem Teller vor mir liegt ein saftiges zartes Rindersteak. Mein erstes Fleisch (außer Hühnchen ab und zu) seit 4 Wochen. Was für ein Gefühl! Während ich das hier schreibe läuft mir das Wasser im Mund zusammen. 288 Rupees, also rund 5€ - für indische Verhältnisse viel Geld- war dieser Schmaus sicherlich wert. Ich lade Sanjay, der einer Portion Tagliatelle mit Gemüsesauce für 1,20 € gegessen hat gerne ein. Wir gehen in den Park um das Mittagessen zu verdauen und schließen mit einem Bohnenkaffee im Coffee Day ab - ebenfalls der erste, den ich hier getrunken habe. Ein Tag der Ausschweifung. Auf dem Rückweg bietet der Fahrer uns an uns kostenlos nach Hause zu bringen, wenn ich ein Geschäft besuche, von dem er Provisionen erhält für jeden Ausländer den er dort hin bringt. Gerne - gesagt getan, zwei Kashmir Schals angesehen, geflüchtet, nach Hause.

Das viel zu kurze Leben von David Dell

Erinnerungen
Davids Lebensweg